Seneca Lucilio suo salutatem

„Ita fac, mi Lucili: vindica te tibi, et tempus quod adhuc aut auferebatur aut subripiebatur aut excidebat collige et serva. Persuade tibi hoc sic esse ut scribo: quaedam termpora eripiuntur nobis, quaedam subducuntur, quaedam effluunt. Turpissima tamen est iactura quae per neglegentiam fit. Et si volueris attendere, magna pars vitae elabitur male agentibus, maxima nihil agentibus, tota vita aliud agentibus. Quem mihi dabis qui aliquod pretium tempori ponat, qui diem aestimet, qui intellegat se cotidie mori? In hoc enim fallimur, quod mortem prospicimus: magna pars eius iam praeterit; quidquid aetatis retro est mors tenet. Fac ergo, mi Lucili, quod facere te scribis, omnes horas complectere.“ – Seneca:  erster Brief aus den epistulae morales

IMG_7222b

Und für all diejenigen, die des Lateinischen nicht mächtig sind, ist hier eine eigene Übersetzung:

„Seneca grüßt seinen Lucilius:

So mache es mein Lucilius: eigne Dich Dir selbst an und sammle und bewahre die Zeit, die (Dir) bisher entweder fortgerissen wurde oder heimlich weggenommen oder die hinausging.

Überzeuge Dich selbst, dass es so ist, wie ich schreibe: gewisse Zeiten werden uns entrissen, gewisse entzogen, gewisse entgleiten. Am schändlichsten ist aber der Verlust, der durch Nachlässigkeit entsteht. Und wenn du Acht geben wolltest, ein großer Teil des Lebens entgleitet denen, die schlecht handeln, der größte Teil jenen, die nicht handeln, das ganze Leben denen, die anderes tun (als sie es sollten).

Wen zeigst Du mir, der der Zeit irgendeinen Wert beimisst, der den Tag schätzt, der sich jeden Tag bewusst ist, dass er sterben wird? Darin nämlich täuschen wir uns, dass wir den Tod in der Ferne erblicken: ein großer Teil von ihm ist schon vorübergegangen; was auch immer an Lebenszeit in der Vergangenheit  liegt, hält der Tod.  Mache also das, mein Lucilius, was Du schreibst: Halte alle Stunden fest!“

fuliginous

IMG_0347b2

fuliginous is the sound of her feet
barely to be noticed
the rain runs through her hair
as she walks by

fuliginous is the sound of her thoughts
with her words unspoken
not a single one expressed
as she lives on

fuliginous is the sound of her tears
vague in the fall like petals
bluring her silhouette
as she fades away

Über das Wesen der Worte

Sie streifen einfach vor sich hin. Verstecken sich und müssen hervorgelockt werden, wie eine Katze aus ihrer dunklen Ecke. Manchmal beißen sie einem in die Finger und wehren sich kratzend, aber wenn sie dann einmal das Licht erblicken, ist man gefesselt von ihrem Wesen und dem, was jede ihrer Bewegung zu erzählen scheint.

Manchmal fließen sie wie ein großer endloser Strom, als hätten sie darauf gewartet, freigelassen zu werden.

Dann wiederum wollen sie sorgsam gesetzt werden und es erfordert viel Bedacht, ihren wahren Charakter zu erkennen. Sie verschleiern, lenken ab, weisen auf andere Wege. Nun ist es die Aufgabe des Autoren, sie zu greifen, sie ihres verwirrenden Kleides zu entledigen und in ihrer eigentlichen Gestalt auf das Papier zu bannen, um anderen von ihnen zu berichten.

IMG_0921b