Epilog

Trübe wabert der Nebel um meine Beine. Langsam streckt er seine klammen Finger aus, dringt in meine Kleidung, lässt mich erschauern. Windstill ist es, als ich die Wiese hinabgehe. Auch dieses Mal sind meine Hosenbeine bis zum Knie durchnässt. Die langen Halme ragen unverändert in den Himmel. Ich versuche durch den Schleier, die Bäume zu erkennen. Aber ich kann sie nicht entdecken. Unbemerkt werden meine Schritte hastiger. Ich erinnere mich an das letzte Mal, folge den Gedanken von damals.

Dunkel zeichnen sich die mächtigen Kronen im Grau ab. Es sind nur noch einige Meter, wenige Schritte. Immer noch ist kein Laut zu hören. Bedrückend, das gewohnte Rascheln der Blätter fehlt. Ich sehe immer wieder ihre zierliche Gestalt vor mir, angelehnt an den Baum, den Block auf dem Schoß. Das vertraute Kratzen der Mine… auch das ist verschwunden, erstickt im Nebel.  Ich erreiche ihren Baum, aber sie ist nicht zu erkennen. Ihr weißes Kleid, das lange Haar. Ich fühle ihren Blick, sehe ihre weiten, freien Augen vor mir. Die kindliche und dennoch fließende Bewegung, mit der sie sich die Haare aus dem Gesicht strich. Ihr schmalen blassen Arme und die Schatten, die keine waren.

way_of_looking_at_things_by_Morgenstimmung

Mein Fuß bleibt an etwas hängen. Weißes Papier. Ihr Block. Aufgeschlagen auf der letzten Seite. Nun erkenne ich, woran sie gearbeitet hat. Tränen lösen sich. Laufen über meine Wangen und verschwinden.

Genau wie sie.

photo by http://morgenstimmung.deviantart.com/

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