All the world’s a stage

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All the world’s a stage,
And all the men and women merely players:
They have their exits and their entrances;

As you like it – William Shakespeare

 

 

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Epilog

Trübe wabert der Nebel um meine Beine. Langsam streckt er seine klammen Finger aus, dringt in meine Kleidung, lässt mich erschauern. Windstill ist es, als ich die Wiese hinabgehe. Auch dieses Mal sind meine Hosenbeine bis zum Knie durchnässt. Die langen Halme ragen unverändert in den Himmel. Ich versuche durch den Schleier, die Bäume zu erkennen. Aber ich kann sie nicht entdecken. Unbemerkt werden meine Schritte hastiger. Ich erinnere mich an das letzte Mal, folge den Gedanken von damals.

Dunkel zeichnen sich die mächtigen Kronen im Grau ab. Es sind nur noch einige Meter, wenige Schritte. Immer noch ist kein Laut zu hören. Bedrückend, das gewohnte Rascheln der Blätter fehlt. Ich sehe immer wieder ihre zierliche Gestalt vor mir, angelehnt an den Baum, den Block auf dem Schoß. Das vertraute Kratzen der Mine… auch das ist verschwunden, erstickt im Nebel.  Ich erreiche ihren Baum, aber sie ist nicht zu erkennen. Ihr weißes Kleid, das lange Haar. Ich fühle ihren Blick, sehe ihre weiten, freien Augen vor mir. Die kindliche und dennoch fließende Bewegung, mit der sie sich die Haare aus dem Gesicht strich. Ihr schmalen blassen Arme und die Schatten, die keine waren.

way_of_looking_at_things_by_Morgenstimmung

Mein Fuß bleibt an etwas hängen. Weißes Papier. Ihr Block. Aufgeschlagen auf der letzten Seite. Nun erkenne ich, woran sie gearbeitet hat. Tränen lösen sich. Laufen über meine Wangen und verschwinden.

Genau wie sie.

photo by http://morgenstimmung.deviantart.com/

Der Panther

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Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke

Erkenne Dich selbst!

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Erkenne Dich selbst bedeutet nicht:

Beobachte Dich.

Beobachte Dich ist das Wort der Schlange.

Es bedeutet: Mache Dich zum Herrn Deiner Handlungen.

Nun bist Du es aber schon, bist Herr Deiner Handlungen.

Das Wort bedeutet also: Verkenne Dich! Zerstöre Dich!

also etwas Böses und nur wenn man sich sehr tief hinabbeugt,

hört man auch sein Gutes, welches lautet:

„um Dich zu dem zu machen, der Du bist.“

Franz Kafka

Sentire

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„Denn so wie Ihr Augen habt um das Licht zu sehen, und Ohren um Klänge zu hören, so habt Ihr ein Herz um Zeit wahrzunehmen. Und alle Zeit, die nicht mit dem Herzen wahrgenommen wird, ist so verloren, wie die Farben des Regenbogens für einen Blinden oder das Lied eines Vogels für einen Tauben. Aber es gibt leider blinde und taube Herzen, die nichts wahrnehmen, obwohl sie schlagen.“

Michael Ende – Momo